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Social Volunteering

Die IT könnte noch groß rauskommen

IT ist nicht nur ERP, IT-Prozesse oder Cloud-Migration. IT-Experten engagieren sich verstärkt ehrenamtlich und erwarten das auch von ihren Arbeitgebern.

Nein, ehrenamtliches Engagement oder auch Social Volunteering, wie es neudeutsch jetzt heißt, sei kein neuer Trend, weiß Katarina Peranic von der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt. Die gute Nachricht sei dennoch, dass sich immer mehr Jugendliche ehrenamtlich engagieren, so ihre Beobachtung. Und: Junge Bewerber fragen sehr wohl nach, was der künftige Arbeitgeber tut, wenn es um Themen wie Nachhaltigkeit oder soziales Engagement geht. Und vor allem, Kandidaten wollen den Sinn dessen wissen, was sie täglich tun, wollen sich einbringen. Das neue Zauber- wohl auch Mode-Wort – heißt Purpose.

Wie sieht das Engagement der ITler und der IT-Unternehmen zu diesem Themas aus? Peranics Stiftung hat eine aktuelle Untersuchung des CIO-Magazins und der WHU unterstützt. Und siehe da: Fast 90 Prozent der befragten IT-Beschäftigten engagiert sich ehrenamtlich. Der Wermutstropfen: Nicht mal ein Fünftel der Arbeitgeber hätten Angebote rund um Social Volunteering und 86 Prozent der befragten Datenverarbeiter wünschen sich von ihrem Arbeitgeber mehr Unterstützung zu diesem Thema.

CIO begrüßt Sozialengagement der Mitarbeiter

Dorothee Appel, CIO der ABN Amro Bank glaubt, dass dies auch daran liegen könnte, dass Mitarbeiter oft nicht wüssten, was ein Arbeitgeber dazu anbiete. Ihr Unternehmen habe schon vor über 20 Jahren eine Stiftung eingerichtet, die sich um die Umsetzung von sozialen Projekten kümmert. Die Schwerpunkte lägen im Bildungsbereich und in der Unterstützung von sozial benachteiligten Kindern. Mittlerweile hätten über 6.400 Mitarbeiter in rund 110 Projekten mitgemacht. Alle Mitarbeiter sind eingeladen, mitzumachen, es gäbe also kein extra Programm für Beschäftigte ihrer IT-Abteilung.

"Das ist die beste Team- und Persönlichkeitsentwicklung." Für Dorotheé Appel, CIO der ABN Amro Bank, haben soziale Projekte mehrere Vorteile.
“Das ist die beste Team- und Persönlichkeitsentwicklung.” Für Dorotheé Appel, CIO der ABN Amro Bank, haben soziale Projekte mehrere Vorteile.
Foto: cio.de

In einem aktuellen Projekt lesen Mitarbeiter gemeinsam mit Grundschülern Bücher – und zwar sind jeweils sechs “Sitzungen” zu einer halben Stunde vorgesehen. Das Interesse ihrer Mitarbeiter sei groß, sie werden selbstverständlich für diese Aktivität freigestellt. Appel unterstützt dieses Engagement und sagt in einer Diskussionsrunde auf den Hamburger IT-Strategietagen: “Das ist die beste Team- und Persönlichkeitsentwicklung”, außerdem sei das positive Feedback der Kinder die schönste Form der Anerkennung. Wichtig sei allerdings, darauf weist die engagierte CIO hin, dass all diese Aktivitäten zur Unternehmenskultur passen und diese Werte gelebt werden müssen – “vom Vorstand bis zu jedem Mitarbeiter.”

Vereine brauchen mehr IT-Know-how

Wie wichtig das Engagement der IT-Experten sein kann, zeigte Ex-BMW-CIO Klaus Straub auf, der zwar mittlerweile unter die Unternehmensgründer gegangen ist, aber dessen Wissen in NGOs begehrt ist. So engagiert er sich etwa für die Welthungerhilfe, eine der größten sozialen Organisationen in Deutschland mit einem weltweiten Spendenvolumen von über 200 Millionen Euro. Er sitzt aber auch im Beirat einer kleiner Organisation, der Kenia-Hilfe, die einen sechsstelligen Betrag verwaltet. Und überall, so Straubs Erfahrung, werde Management- und IT-Know-how nachgefragt.

Jeder Verein könne einen IT-affinen Ehrenamtlichen benötigen, denn es fange schon damit an, einen Server aufzusetzen, eine Homepage aufzubauen. Erst recht sei im Zuge der Digitalisierung aller Gesellschaftsbereiche nochmals deutlich geworden, wie wertvoll IT-Know-how nun auch im ehrenamtlichen Bereich sei. Straub wünscht sich, dass Arbeitgeber die Initiativen ihrer Mitarbeiter in dieser Hinsicht unterstützten, dass es aber auch Plattformen oder Möglichkeiten des Austauschs zwischen Unternehmen und NGOs gebe, um gemeinsame Projekte umzusetzen.

Mehr Transparenz bei den Projekten erwünscht

Katarina Peranic wünscht sich, dass Arbeitgeber solche Projekte stärker publik machten. So dass der Wissenstransfer zwischen Wirtschaft und NGOs besser funktioniere. Und die Angebote beider Seiten transparenter würden. Sie sieht, dass Unternehmen bereit sind, ihren Mitarbeiter bei diesem Engagement zur Seite zu stehen. Angefangen von einem Social Day bis zu mehrwöchigen Freistellungen oder auch finanziellen Zuwendungen für die eigenen sozialen Vorhaben.

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