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Hamburger IT-Strategietage

Die IT-Strategie von Otto-CIO Michael Müller-Wünsch

Technologie und der Zweck, dem sie dient, sollten nie getrennt voneinander betrachtet werden. Das ist die zentrale Botschaft von Otto-CIO Michael Müller-Wünsch.

Otto-CIO Michael Müller-Wünsch: Es braucht Kooperation und Kommunikation, und das weit über die Unternehmensebene hinaus. Schließlich gehe es am Ende "um die Transformation einer ganzen Gesellschaft."
Otto-CIO Michael Müller-Wünsch: Es braucht Kooperation und Kommunikation, und das weit über die Unternehmensebene hinaus. Schließlich gehe es am Ende “um die Transformation einer ganzen Gesellschaft.”

Wenn einer der Referenten der diesjährigen Hamburger IT-Strategietage prädestiniert dafür ist, über das Gemeinschaftliche von IT und Business, über die Kollaboration zwischen beiden und ihre Erfolgsfaktoren zu sprechen, dann ist es Michael Müller-Wünsch. Er ist sowohl Diplom-Informatiker als auch Diplom-Kaufmann. Und sein Unternehmen war (und ist) wie kaum ein anderes darauf angewiesen, beides zu verzahnen, um dauerhaft Erfolg am Markt zu haben.

Otto wandelte sich in relativ kurzer Zeit vom Katalogversender zur Online-Handelsplattform, legte dabei zuletzt trotz (über)mächtiger Konkurrenz ein beeindruckendes Umsatzplus von 23 Prozent hin.

Diese Performance ist auch der Pandemie zu verdanken – aber nicht nur. Denn das Unternehmen verfügte natürlich schon vor der Corona-Pandemie nicht nur über die notwendige Infrastruktur für Remote Work, sondern war und ist “Tech-durchdrungen”, wie es Müller-Wünsch formulierte. “Und dieses Verständnis von Digitalisierung wird auch wahrgenommen. Wir haben unseren Platz gefunden und nehmen ihn ein. Gerade das Marktplatzgeschäft hat sich sehr gut zu einem hybriden Plattformmodell weiterentwickelt.”

Tech ist kein Selbstzweck

Stolz ist Müller-Wünsch auf die “circa 1.000 Technologen am Otto-Campus in Hamburg”, und vor allem auf deren Frauenanteil von 22 Prozent. “Wir haben bei diesem Thema zwar schon viel erreicht, aber sind noch längst nicht am Ziel.”

So hoch Müller-Wünsch den Stellenwert von IT auch einschätzt, der Blick darauf müsse immer das gesamte Business im Auge behalten, schließlich sei “Tech kein Selbstzweck. Wir stellen uns regelmäßig die Frage, wie viel Tech unser Geschäftsmodell braucht – und wie viel Tech es verkraften kann.”

Im Sinne von Plan Build Run gehe es immer darum, IT und Business zusammen zu denken – und zusammenzubringen. Dafür sei es notwendig, die eigenen Prozesse als Business Journeys zu begreifen und abzubilden, als Consumer Journey, Partner Journey oder Employee Journey. Dieses Verständnis, so Müller-Wünsch, erleichtere die Kommunikation und Kooperation zwischen Business und IT enorm.

“Niemand bekommt mit weniger Budget mehr Digitalisierung”

Notwendig sei auch das passende Mindset – und das habe man bei Otto erfolgreich entwickelt. “Tech ist nicht Problemlöser, sondern Business Enabler, dieser Grundsatz ist veritabler Bestandteil fast aller unserer Entscheidungsprozesse.” Niemand könne mit weniger Budget mehr Digitalisierung erreichen. “Und wir fragen uns auch nicht, was IT kostet, sondern wie viel Wertschöpfung wir mit einem Tech-Dollar erreichen können.”

Der TCO der Unternehmensleistung setzt sich bei Otto aus Tech-Leistung und Business-Leistung zusammen, Produktteams koordinieren beides. Das Geschäftsmodell beinhaltet 120 technische Produkte, wobei die Suche nach einem Paar Sneakers durch den Kunden ebenso als technisches Produkt verstanden wird wie ein Abrechnungsvorgang.

“Auch wir müssen Unterstützung leisten”

Als eine der größten Herausforderungen für viele IT-Manager bezeichnet Müller-Wünsch nicht zum aktuellen Business passende IT-Strukturen. Otto hat dieses Problem zwar nicht, “aber auch wir sind mit der Digitalisierung noch nicht fertig, sondern stehen erst am Anfang unserer Reise.”

Um dabei ans Ziel zu kommen, brauche es nicht nur die richtige Technologie, sondern – vor allem – die richtige Mentalität. “Und das gilt nicht nur für ein einzelnes Unternehmen, sondern für die Gesellschaft insgesamt. Da gibt es noch viel zu tun. Und auch wir müssen als Good Corporate Citizens Unterstützung leisten.”

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